Schadstoff - Faces
Eigenproduktion
1992
Da ist noch ein zweites Tape der Band aus Güstrow auf getaucht. Hier "Schadstoff " dann in erweiterter Besetzung und deutlich flotter.
01.Kyrie Eleson
02.That's What I Want
03.Shadows
04.See The Sun
05.Way Of No Return
06.Is God A Beast
Scan 300 dpi
Komplett

WENDEKREIS DER BIERDOSE
AntwortenLöschenAugust 1988: Aus einer Bieridee entsteht eine Band namens Schadstoff. Eine Na-me, der irgendwie nach "schlecht" klin-gen sollte, so Dean Koprinkow, der Sän-ger. Er und die anderen Mitglieder, Oli-ver Carras (g, voc), Ingo Franke (b) und Rene Borstel (dr), sind Autodidakten.
Begonnen hat es in Krakow bei Ingo auf dem Hof. Damals in Dreierbeset-zung, da der eigentliche Drummer nie auf Proben dabei war. Ernsthafter wurde die ganze Sache dann, als sie einen ersten Proberaum erhielten. Sie hatten zwar noch keine konkreten Vorstellungen, aber die Richtung mußte irgendwie Punk sein, soviel stand fest. Ihr erstes kleines Konzert gaben sie in der Nacht zum Jah-reswechsel 1989 in der Kantine der Kra-kower Gärtnerei vor ungefähr 20 ausge-flippten pogoverrückten Gruftledermäu-sen. Wenig später flogen sie aus ihrem
Proberaum. Aufgrund von Vorurteilen gegenüber den Jungs wurde ihnen ein Einbruch in die Schuhe geschoben. Durch einen Bekannten gelangten sie ziemlich schnell an einen neuen Raum, einen Keller unter einem Plattenladen.
Ein erstes Ziel wurde sichtbar, es soll-te "ein Gemisch aus Dark Pop und Punk" sein. Olli und Dean schrieben die Mehr heit der Texte, die "aus Frustration ent-standen sind". Die Band wollte sich nicht gänzlich dem kleinen Kreis von Anhän-gern verschließen, so daß manche Probe in einen bierfeuchten Abend ausartete.
Erster öffentlicher Auftritt als Vor-gruppe der Skeptiker und der Firma im Güstrower Kulturhaus. 1989 kam Rosen-garten nach Güstrow in den Studenten keller. Die Saiten der Schadstoff-Gitar-ren befanden sich in einer Induktion und die Lust am Spielen begann zu schreien.
Der Veranstalter sagte zu, sie konnten endlich wieder spielen. Und das mit Ro-sengarten, einer Band, die sie sehr schätzten. Ich habe mir den Gig damals angesehen, und Schadstoff hat mir besser gefallen als Rosengarten. Einen Tag da-rauf folgte die Einstufung: Mittelstufe.
Von November bis Februar lief es gut mit Gigs. Als dann Ingos Freundin Sol-veig Edelberg (key) hinzukam, trat eine musikalische wie inhaltliche Verände-rung ein, ein festes Konzept entstand mit neuen Texten. Olli: "Für mich ist die Welt einfach größer geworden. An The-men wie Religion, Apokalypse, über-haupt den ganzen Weltschmerz, kann ich nicht mehr vorbeigehen." Die Stücke wirkten auf mich bedrückend und in die Länge gezogen, dahinter schien Absicht zu stehen. "Wir wollen eine düstere, be-drohliche Atmosphäre vermitteln, eine
bewußte Provokation. Wir denken, vo der Übertreibung lebt die Kunst. Als wi anfingen, kam der Frust raus. Jetzt köm nen wir damit besser umgehen und woll len durch eine Umkehrung der Werte di Leute aufrütteln."
Im Sommer ging Schadstoff auf ihr erste Tour mit den Candy Lickers au Oldenburg, Reinerlös 38,- DM. Olli une
Dean lachen darüber. Wichtig ist für si "in erster Linie der Spaß am Spielen Heute treten sie unter neuem Namen auf Dreaming Hate. Ich fragte, ob die Verab schiedung von Schadstoff etwas damit zu tun hat, daß man wieder Bier aus de Dose trinken könne. Gelächter. "Der Nam me war nicht mehr vereinbar mit den neuen Konzept", sagt Dean und nimm einen Schluck aus der Dose.
Andreas Hyronimus